Neue Wege im Internet

Ein Hirsch mit Leopardenfell und Zebrastreifen – auf freier Wildbahn dürfte er weder in den Wäldern der Egge oder des Teutoburger Waldes noch im Sauerland anzutreffen sein. Jugendliche im Erzbistum Paderborn werden ihm ab sofort trotzdem häufiger begegnen: Unter dem Stichwort „Wilde Vielfalt“ wirbt er für einen neuen Internetauftritt, unter dessen Dach alles ein Zuhause findet, was mit Jugendarbeit und Jugendpastoral in der Erzdiözese zu tun hat. Zu erreichen ist er über die Adresse www.jupa-paderborn.de.

Zweifellos sieht der bunte JUPA-Hirsch mit seiner wilden Musterung nicht so aus, wie man es von Hirschen sonst gewohnt ist. Trotz allem bleibt er aber eindeutig ein Hirsch: Er trägt ein mächtiges Geweih und röhrt in hirsch-typischer Haltung seine Botschaft in die Wälder. Was zeigt: Veränderung, zunehmende Buntheit oder auch „wilde Vielfalt“ führen nicht zwingend dazu, dass etwas unkenntlich wird.

Dass Veränderung und Vielfalt nicht zwangsläufig „Unkenntlichkeit“ und damit Wesensverlust bedeuten, ist ein nicht immer einfacher Lernprozess, mit dem derzeit viele Menschen im Erzbistum befasst sind, vor allem mit Blick auf die Umsetzung der „Perspektive 2014“. Die JUPA-Seite ist bereits ein Resultat dieses Prozesses und bildet künftig die „wilde Vielfalt“ für das große Feld der Jugendarbeit und Jugendpastoral im Internet ab, jenem Medium, das vor allem für die junge Generation als Informationsquelle und Treffpunkt immer wichtiger wird.

Die Seite sammelt, was im Erzbistum Paderborn an Seiten und Initiativen im Netz bereits entstanden ist. Per Google Maps können sich Besucherinnen und Besucher der Seite darüber informieren, welche Gruppen bei ihnen vor Ort aktiv sind und welche Termine demnächst anstehen. JUPA setzt auch inhaltliche Akzente und lädt ausdrücklich zum Mitmachen ein: Beiträge können kommentiert werden, eigene Texte, Bilder oder Videos sind willkommen. Immer wieder stehen interaktive Angebote wie Chats auf dem Programm. Auf der JUPA-Fansite auf Facebook besteht die Möglichkeit, sich mit anderen Usern und den Machern der Seite auszutauschen und zu vernetzen. Die vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst machen durch ihre Beteiligung die Buntheit und „Wildheit“ der Seite aus, was typisch ist für die Welt des Web 2.0, auch „Mitmach-Internet“ genannt: Mitmachen können alle. Jeder und jede bringt seine persönlichen Erlebnisse und Befindlichkeiten ein und gestaltet so die Seite mit.

Diese Art von Zusammenspiel zwischen „Machern“ und „Nutzern“ interaktiver Internetseiten kann durchaus jene Art des Miteinanders verdeutlichen, die im Zuge der „Perspektive 2014“ für die Pastoral im Erzbistum angestrebt wird: Menschen in den Gemeinden und Einrichtungen sind eingeladen, Kirche vor Ort aktiv mitzugestalten und im Sinne einer „Pastoral der Berufung“ Verantwortung zu übernehmen statt ausschließlich „Empfänger“ pastoraler Dienstleistungen zu sein. Die „Pastoral der Berufung“ rechnet mit den zahlreichen Begabungen der vielen Mitgestalterinnen und Mitgestalter und weiß um die unterschiedliche Nähe oder auch Distanz zur Kirche, die diese haben. Sie geht fest davon aus, dass Gott mit jedem Menschen eine unverwechselbare Geschichte schreibt und so zahlreiche Wege des Christseins entstehen.

Auch auf JUPA spiegelt sich das wider: „Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich beteiligen, haben mehr denn je unterschiedliche Bindungen an die Kirche, unterschiedliche Erwartungen an sie und ganz verschiedene Pläne für ihr Leben“, erläutert Diözesanjugendpfarrer Stephan Schröder, Projektleiter der Internetseite. „Manche von ihnen werden regelmäßiger Gast bei JUPA sein und fester Teil der Community werden, andere besuchen die Seite dann, wenn sie konkrete Anliegen oder Fragen haben, wieder andere schauen ganz unverbindlich vorbei. Trotz all dieser Unterschiedlichkeit gehen wir davon aus, dass unsere Nutzerinnen und Nutzer eins verbindet: die Suche oder auch Sehnsucht nach etwas, das anders ist als die zahllosen Angebote, die ihnen sonst im Alltag begegnen.“

Ein Psalmvers drückt diese Sehnsucht nach dem „Anderen“ mit den folgenden Worten aus „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.“ (Ps 42,2) Unschwer zu erkennen: Es ist dieses Wort der Heiligen Schrift, das die Idee für den wilden Hirschen als Symbol der JUPA-Seite geliefert hat. „Die „wilde Vielfalt“ kann nur wachsen, wenn sie Zugang zu jenem lebendigen Wasser hat, von dem in diesem Psalmvers die Rede ist“, so Jugendpfarrer Schröder. „Gott ist die gemeinsame Quelle, um die sich alle versammeln, die mit der JUPA-Seite zu tun haben. Mit ihm als Mittelpunkt braucht niemand Angst vor Vielfalt und manchmal auch kontroversen Meinungen zu haben.“

Kontakt: Dirk Lankowski (verantwortlicher Redakteur), Domplatz 3, 33098 Paderborn, Tel. (0 52 51) 1 25 15 15, E-Mail: redaktion@jupa-paderborn.de, Internet: www.jupa-paderborn.de

Dr. Claudia Nieser

Drei Optionen für die künftige Struktur | Hilfen zur Gestaltung der Jugendarbeit