„Eine große Stadt entsteht“

Das gesamte Seelsorgeteam des neuen pastoralen Raums feierte den Festgottesdienst am Altar mit.Foto: Johannes Büttner Büren. Die beiden Pastoralverbünde Büren-Süd und Kleiner Hellweg-Almetal haben sich im November 2011 zum neuen pastoralen Raum Büren zusammengeschlossen: Rund 15.000 Katholiken leben seitdem zusammen in 12 Gemeinden auf einem Gebiet, das nunmehr den politischen Grenzen der Stadt Büren entspricht. Ein Grund zur Klage? Nein, ein Grund zum Feiern!

„Nichts ist mehr so, wie es war“ – das gilt auch für die Gemeindepastoral im Erzbistum Paderborn, wo sich schon seit einigen Jahren ein gravierender Strukturwandel in den Kirchengemeinden vollzieht. Über dem Grundsatzprogramm der pastoralen Entwicklung im Erzbistum, der „Perspektive 2014“, steht das Psalmwort „Denn wir schauen aus nach dir“: Mit Gottvertrauen gilt es, nicht auf die Verluste, sondern auf die Ressourcen der Veränderung schauen, um die Wandlungsprozesse für eine aktive Glaubensgemeinschaft fruchtbar zu machen.

Das haben sich auch die Pastoralverbünde Büren-Süd und Kleiner Hellweg-Almetal auf die Fahnen geschrieben. Nach dem Zusammenschluss Ende letzten Jahres wurde das Beschreiten des gemeinsamen neuen Weges groß gefeiert: Unter dem aus dem Gotteslob bekannten Liedtitel „Eine große Stadt entsteht“ kamen die Gläubigen des neuen pastoralen Raums am 18. März zu einem bunten Begegnungsfest in der Bürener Stadthalle zusammen. „Wir verstehen das biblische Bild der Stadt als Leitmotiv der Seelsorge für die nächsten Jahre und als Sinnbild des Strukturwandels der katholischen Kirche in Büren“, erläuterte Pfarrer Peter Gede als Leiter des neuen pastoralen Raums. „Die Menschen in den Gemeinden werden enger zusammen rücken.“

Eine einzelne der 13 Gemeindekirchen hätte nicht annähernd gereicht, um alle Gäste aufzunehmen. Somit war die Entscheidung, in der Stadthalle in Büren zu feiern, weise getroffen: Der Gottesdienst, mit dem das Fest am Vormittag feierlich begonnen wurde, war im besten Sinn ein „Glaubensfest“, sprengte er doch sämtliche Dimensionen der kirchlichen Alltags-Normalität: Mehr als 1.500 Gläubige, rund 150 Messdiener aus allen Gemeinden und Fahnenabordnungen vieler Vereine und Gruppen verliehen der katholischen Kirche in Büren ein vielfältiges Gesicht – nicht zu vergessen die 300 Helfer, ohne die die Veranstaltung nicht denkbar gewesen wäre.

Der Bürener Pastor Peter Gede, der den neuen pastoralen Raum leitet, greift bei den Wewelsburger Schützenbrüdern für einen guten Zweck in den Korb mit Losen.Johannes Büttner Jeder Besucher bekam vor dem Gottesdienst einen kleinen, aber individuellen Gruß aus Paderborn mit auf den Weg: Erzbischof Hans-Josef Becker hatte eigens Kreuze für das Fest geweiht, um die Feier und die weitere Wegstrecke als neue große Glaubensgemeinschaft unter das Heils-Zeichen des Glaubens zu stellen. Zur Feierlichkeit des Gottesdienstes trug nicht nur der Musikzug Steinhausen bei, sondern auch der eigens für das Begegnungsfest gegründete Projektchor aus den verschiedenen Gemeinden unter der Leitung von Kantorin Regina Werbick – ein sichtbares Zeichen dafür, dass Kooperation im neuen pastoralen Raum bereits jetzt auf vielen Ebenen statt findet.

Gemeindereferentin Karin Krohn war federführend für die Vorbereitungen der Veranstaltung verantwortlich. Gemeinsam mit ihren beiden Kolleginnen Renate Bracht und Viviane Bongartz hat sie das Event auf die Beine gestellt. „Schon während der Vorarbeit war bei allen eine große Bereitschaft zu spüren, aufeinander zuzugehen“, so Karin Krohn. „Natürlich möchten alle Beteiligten das individuelle Gesicht ihrer eigenen Gemeinde gewahrt sehen. Aber wir alle haben deutlich gespürt, dass jeder auch gewillt ist, sich für das neue Große zu öffnen, das im Entstehen ist.“

Die Verantwortung der hauptamtlichen Seelsorge ist in diesem „neuen Großen“ auf viele Schultern verteilt. Neben Pfarrer Peter Gede und den drei Gemeindereferentinnen Karin Krohn, Renate Bracht und Viviane Bongartz gehören die Pastöre Michael Heinisch, Michael Melcher und Ralf Scheele, die Subsidiare Professor Dieter Hattrup und Josef Kersting sowie Vikar Simon Schwamborn zum Team der hauptamtlichen Seelsorger. Doch Seelsorge sei angesichts des zitierten Strukturwandels nicht länger nur eine Frage des hauptamtlichen Berufes, vielmehr eine der Berufung jedes einzelnen Gläubigen, mit der jeder mitbaue am neu Entstehenden – so hat es auch Erzbischof Hans-Josef Becker wiederholt in seinen Ausführungen zu einer neuen „Pastoral der Berufung“ fest gehalten. „Jesus selbst hat mit seiner Geburt im Stall in Bethlehem den Grundstein für das große Haus Gottes gelegt. Auch unsere neue Stadt soll sich daran orientieren“, rief Pfarrer Gede in seiner Predigt auf.

Nach der Feier des Glaubens im Gottesdienst ging das Glaubensfest fröhlich und vielfältig weiter: In einem Programm für alle Altersgruppen begeisterten verschiedene Gruppen mit Tanz- und Gesangsdarbietungen. Die einzelnen Gemeinden stellten sich und ihre Orte der Seelsorge vor. Gläubige und hauptamtliche Seelsorger kamen ins Gespräch über Gott und die Welt. Nicht zuletzt hatte auch das Glaubensmobil des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken Station in Büren gemacht. „Das alles zeigt, dass unsere Hoffnung, mit dem Fest eine große und starke Gemeinschaft gläubiger Menschen mit Gott erlebbar zu machen, sich vollends erfüllt hat“, freute sich Karin Krohn. Besonders stolz verwies die Gemeindereferentin auf die große Vielfalt der unterschiedlichen Gruppen, die sich beim Begegnungstag präsentiert haben: „Von ‚klassischen’ Vereinigungen wie unseren Schützenvereinen über die Kindertagesstätten bis hin zum Verein für Menschen in Abschiebehaft oder der Kleiderkammer ist es uns gelungen, die vielen verschiedenen Orte, an denen bei uns Seelsorge lebendig stattfindet, zu integrieren.“

Unter dem Eindruck des großen Abschlusssegens, der am Ende des Begegnungsfestes stand, formulierte Karin Krohn ihre „Vision“ für die Zukunft des neuen pastoralen Raums: „Ich wünsche mir, dass wir immer mehr lernen, den Gemeindebegriff nicht nur in territorialen Grenzen zu sehen, sondern ihn weiter auszudehnen. Dass dies schon längst passiert, belegen die vielen Kooperationen, die schon im Vorfeld des Begegnungsfestes geschlossen worden sind, so der gemeinsame Chor oder auch die Zusammenarbeit der Messdiener.“ Ihr Fazit zum Begegnungsfest fällt jedenfalls eindeutig positiv aus: „Ganz viele Rückmeldungen haben uns als Organisationsteam gezeigt, dass unser Begegnungsfest ein toller Rahmen war, um mit dem Neuen zu starten.“

Versinnbildlicht wurde dies durch eine Kerze, die Elisabeth Henneke, Küsterin in Siddinghausen, gestaltet hat: Alle Kirchen des neuen pastoralen Raums sowie das Motto „Eine neue Stadt entsteht“ zieren die Kerze, die seit November von einer Gemeinde in die nächste getragen worden ist. Zum Begegnungsfest war sie schließlich in der Stadthalle in Büren angekommen und wies symbolhaft den Weg in die gemeinsame Zukunft.  

Hintergrund

Der neue pastorale Raum Büren vereint die folgenden zwölf Gemeinden:

St. Antonius Einsiedler Ahden

  • Maria Heimsuchung Barkhausen
  • St. Kilian Brenken
  • St. Nikolaus Büren
  • St. Aloysius Eickhoff
  • St. Johannes Nepomuk Harth
  • St. Vitus Hegensdorf
  • St. Johannes Baptist Siddinghausen
  • St. Antonius Einsiedler Steinhausen
  • St. Michael Weine
  • St. Birgitta Weiberg und
  • St. Jodokus Wewelsburg

In den nächsten zwei Jahren wird der neue pastorale Raum Büren im "Prozess zur Vereinbarung der Seelsorge im neuen pastoralen Raum" von zwei Mitarbeitern des Erzbischöflichen Generalvikariats begleitet. Die zu bearbeitenden Fragen reichen von der Organisation der Gottesdienste bis zur verstärkten Befähigung von Laien, auch selbst aktiv Seelsorge zu gestalten.

Maria Aßhauer

Pastoralverbund Büren im Internet

Drei Optionen für die künftige Struktur | Hilfen zur Gestaltung der Jugendarbeit