Küster mit Herzblut

Michael Fritsche sammelt nach dem Gottesdienst die Messbücher im weihnachtlich geschmückten Altarraum ein.Foto: Berbüsse Wird eine Kirche liebevoll gepflegt und gestaltet, hält man sich gerne in ihr auf. Manchem Besucher wird es dabei selbstverständlich erscheinen, dass ein Kirchenraum geschmückt und einladend gestaltet ist. Doch es steckt stets großes Engagement und viel Arbeit dahinter, geleistet von Küsterinnen und Küstern der Pfarrkirchen. Indem sie „ihre“ Kirchen zu einem einladenden Ort machen und einen würdigen Rahmen für die Feier der Gottesdienste herstellen, leben sie ihre Berufung. Ihre Sorge um und für die Kirchen ist eine der zahlreichen Dienste, die sicherstellen, dass der Glaube vor Ort lebendig bleibt. Zwei dieser Menschen stellen wir im Folgenden vor.   

Beverungen/Tietelsen. "Das ist ein richtiger Job", sagt Michael Fritsche, obwohl er "nur" eine halbe Stelle hat. Der 44-Jährige ist Küster in der Beverunger Pfarrkirche St. Johannis Baptist und versieht seinen Dienst mit vollem "Herzblut". Genau wie seine Kollegen im Dezember 2010 entstandenen pastoralen Raum "Dreiländereck Beverungen", dessen zwölf Kirchen besonders liebevoll gepflegt werden. Stellvertretend für ihre ebenfalls sehr engagierten Kollegen sprechen Michael Fritsche und Hildegard Hesse über ihre Arbeit, die ihnen auch ein persönliches Anliegen ist.

Michael Fritsche, ein gebürtiger Sauerländer, ist seit seiner Kindheit fest in der katholischen Kirche verwurzelt. "Da habe ich einen richtigen Touch", sagt er schmunzelnd und verweist auf seine Tätigkeiten als Messdiener, im Pfarrgemeinderat in der KJG oder im Beverunger Jugendbistro. In die Stadt an der Weser kam er vor zwanzig Jahren durch seine Frau Gisela, die dort Gemeindereferentin ist. Vor drei Jahren übernahm er dann die Stelle des Küsters in Drenke (sechs Stunden pro Woche), dem Wohnort der fünfköpfigen Familie. Und vor einem Jahr kam dann die Beverungener Kirche hinzu (18,5 Stunden).

Von der Orgel-Empore kontrolliert Michael Fritsche, ob "seine" Kirche in Beverungen auch von oben einen guten Eindruck hinterlässt. Seitdem kann sich Fritsche über Langeweile nun wahrlich nicht beklagen: Denn zu seinen vielfältigen Aufgaben gehört nicht nur die Vor- und Nachbereitung der Gottesdienste, sondern auch das Auf- und Abschließen der Kirche, das Bestücken des Kerzen- und Schriftenstandes sowie natürlich die Sorge dafür, dass sich die Hauptkirche des neuen pastoralen Raumes stets sauber und ordentlich präsentiert. Denn das Beverunger Land ist auch eine touristische Region, die viele Wanderer, Radfahrer und auch Bootfahrer anlockt.

Während der praktisch veranlagte Mittvierziger den Blumenschmuck "seiner" Kirchen zwar seiner Frau (in Drenke) und der Frau seines Vorgängers (in Beverungen) überlässt, gießt er die hübsch anzusehenden Farbtupfer in den beiden Gotteshäusern regelmäßig und zupft hier und dort auch abgestorbene Blätter ab. Ansonsten ist bei Michael Fritsche dann aber viel kraftraubende Arbeit angesagt.

Schließlich muss das knapp 900 Quadratmeter große Kirchenschiff regelmäßig von Staub und Schmutz befreit werden. Mehrmals im Jahr geht Fritsche also mit dem Staubsauger beziehungsweise mit Wischmob und Putzeimer durch die Reihen. "An einem Tag allein ist das gar nicht zu schaffen", verrät er, "deshalb teile ich mir das immer auf." Ein kleiner Augenschmaus für etwaige Kirchenbesucher ist es auch, wenn der Küster mit dem übergroßen Staubwedel die vier Gewölbe von Staub und Spinnweben befreit. Eine Aufgabe, bei der er sich schon ganz schön strecken muss.

Fritsche ist täglich in der Kirche, schließlich sammelt er während der Messfeiern auch die Kollekte ein. "Ich erlebe jeden Gottesdienst bewusst mit", sagt er. Seine Arbeiten erledigt er erst im Anschluss. Denn die Zeit mit Gott, die Zeit der Andacht, "die braucht man schon", so Fritsche.

Hildegard Hesse zeigt nicht ohne Stolz "ihre" kleine, aber feine Kirche in Tietelsen. Das sieht seine Küster-Kollegin Hildegard Hesse ganz genauso. Auch sie feiert in der kleinen Pfarrkirche St. Bartholomäus in Tietelsen jede Messe mit – "das ist mir ein persönliches Anliegen", betont sie. Seit etwas über zehn Jahren kümmert sich die 62-Jährige nun schon um die Pflege des kleinen, aber feinen Gotteshauses der Pfarrei Tietelsen/Rothe mit rund 390 Katholiken. Ihre Kinder und ihr mittlerweile verstorbener Ehemann hatten sie dazu ermuntert, die Stelle anzunehmen, als sich 2001 dafür zunächst niemand zu finden schien. "Als ich dem damaligen Pfarrer Günter Weige zusagte, war er ganz begeistert", erinnert sich die Küsterin. Und sie hat ihren Schritt auch nie bereut: "Die Arbeit macht mir wirklich Freude!" Ihre auf sechs Stunden angelegte Anstellung ist gut gefüllt mit dem Vor- und Nachbereiten der Messe, der Altar-, Priester- und Messdienerwäsche, dem Putzen und dem Gestalten des Blumenschmucks.

Das war sogar einer der Hauptgründe für die "Hobby-Floristin", Küsterin zu werden. "Mit Blumen bin ich sehr geschickt", sagt sie und zeigt dem Besucher die vielen kunstvoll zusammengestellten Gestecke im kleinen Kirchenraum. Hildegard Hesse betont die Besonderheit: "In unserer Tietelser Kirche stehen auch nur Tietelser Blumen!" Denn die holt sie aus den heimischen Gärten. Und das Moos, das den Boden der neuen Krippe bedeckt, hat sie selbstverständlich im benachbarten Wald gesammelt.

Hobby-Floristin Hildegard Hesse legt noch einmal Hand an eines ihrer selbst gestalteten Blumengestecke. Mehrmals im Jahr wischt die rüstige Frau den Kirchenboden, einmal pro Woche saugt oder fegt sie. Schließlich soll "ihre" Kirche auch abseits der Gottesdienste stets einen guten Eindruck machen: "Die Kirche ist immer noch täglich von morgens bis abends geöffnet", sagt sie nicht ohne Stolz. Schließlich sei das etwas besonderes in Zeiten, wo aus Angst vor Vandalismus immer mehr Kirchen für Besucher versperrt blieben. Und wer das über 200 Jahre alte Gebäude betritt, erkennt auch gleich, wie liebevoll es gepflegt wird. "Die Menschen schätzen meine Arbeit ", weiß Hildegard Hesse. Sie betont aber sofort: "Ich mache meine Arbeit aber nicht, um gelobt zu werden. Freuen tut es mich aber natürlich trotzdem."

Und die Besucher der Kirchen im Beverunger Land freuen sich über die dank Hildegard Hesse, Michael Fritsche und ihrer Kollegen besonders schön gepflegten Kirchen.

Fotos und Text: Birger Berbüsse

Pastoraler Raum Dreiländereck-Beverungen im Internet